USA

proud as hell

Amerika ist anders. Definitiv anders. Ich bin jetzt hier genau eine Woche und es ist an der Zeit, meine ersten Erfahrungen zu Papier zu bringen. Letzten Montag, dem 20., kam ich nach 13 Stunden Flug endlich am Baltimore-Washington-Flughafen an. Zwar dauerte es noch über eine weitere Stunde, bis ich aus dem Flughafen raus war, aber von den mir so oft erzählten übertriebenen Sicherheitsmaßnahmen war nichts zu sehen. Im Gegenteil, alle waren sehr freundlich. Vermutlich ist es aber was anderes, wenn man am New Yorker Flughafen ankommt.

Sabina Foisor, WGM und schon seit einigen Jahren in Amerika, holte mich zusammen mit ihrem Freund vom Flughafen ab. Als ich vor einer gefühlten Ewigkeit in den Flieger gestiegen war, wusste ich noch nicht, wo ich an dem Abend schlafen würde. Dazu muss ich ein wenig ausholen. Während ich in Athen war, erfuhr ich auf einmal, dass die Studenten erst am 25. August auf den Campus einziehen könnten. Ich versuchte, in der Schnelle noch etwas zu organisieren, aber konnte nichts finden. Also vertraute ich einfach darauf, dass alles gut werden würde und... es wurde alles gut. Als die Familie von Sabina's Freund hörte, dass die Uni sich nicht darum gekümmert hatte, mir eine Unterkunft zu besorgen, war sie so empört, dass sie kurzerhand anbot, mich die eine Woche zu beherbergen.

Die klassische amerikanische Familie mit drei Kids (14, 17 und 22), Einfamilienhaus und riesigem Garten. Ah, plus zwei Hunde und eine Katze. Was Besseres hätte mir für die ersten Tage in den Staaten wohl nicht passieren können. Ich wurde super umsorgt und generell war die Familie einfach cool. Die erste Woche verbrachte ich damit, mir ein Handy zu besorgen, ein Bankkonto zu eröffnen und zu testen, ob die amerikanischen Burger wirklich so gut sind wie alle sagen (sind sie).

Das Bad. Mit einem Wort. Schäbig.

Seit Samstag lebe ich nun auf dem Campus in der Potomac Hall, zusammen mit zwei room mates in einem Zimmer. Die Toilette und Dusche teilen wir uns mit einem weiteren Doppelzimmer. Ich weiß nicht, ob man das gut auf dem Bild sieht, aber es gibt um die Dusche herum keine Abgrenzung. Was im Prinzip heißt, der Boden ist permanent feucht und man geht auf die Toilette am besten in Badelatschen. Wie man schon vermuten kann, bin ich damit nicht übermäßig glücklich. Jugendherbergenstyle zwei Semester lang ?! Nicht so cool. Aber gut, ich werde mich dran gewöhnen. Wenigstens sind meine beiden Zimmerkollegen ganz okay. Der eine kommt aus China und fragte mich direkt nach seiner Ankunft, ob ich zufällig eine deutsche Serie namens "Knallerfrauen" kenne. Nie gehört. In China scheint sie der absolute Hit zu sein und tatsächlich ist es recht witzig (chinesisches youtube).

                         proud as Punch

Okay, was ist mir bisher so Positives aufgefallen: Die Mensa hat eine unglaubliche Vielfalt und man kann sich so oft Nachschlag holen, wie man möchte. Was aber vielleicht nicht unbedingt ein Vorteil sein muss. Jedenfalls gibt es hier den gängigen Begriff "Freshman 15", der bedeutet, dass jeder Studienanfänger mit 15 zusätzlichen Pfunden im ersten Jahr rechnen sollte. Nachdem man das in Kilo umgerechnet hat, klingt es allerdings nicht mehr so furchteinflößend.

Was ist noch super: Die Uni kümmert sich um einen. Man kann wohl so gut wie jeden erdenklichen Sport ausüben, es gibt ein Schwimmbad, Fitnessstudio, eine wirklich große Sporthalle, alles frei zugänglich. Außerdem gibt es eine Unmenge von Centern und Einrichtungen, die einem beim Studium behiflich sind. Wenn man zum Beispiel bei einer Hausaufgabe das Gefühl hat, es sind noch grammatikalische Fehler drin, geht man einfach zum Writing Center und checkt den Text mit jemanden durch. Was ich persönlich auch noch ziemlich cool finde: Der Präsident der Uni, Freeman Hrabowski, gehört zu den 100 einflussreichsten Personen auf der Welt.

Morgen ist der erste offizielle Studiumtag, American History since 1877 und Psychology Basics stehen auf meinem Stundenplan. Wird sicher spannend :)

Ganz ohne Schach will ich auch nicht schließen, das wäre ja zu nerdig. Die Olympiade hat begonnen und Deutschland hat einen ersten souveränen Sieg eingefahren und zwar gegen Neuseeland. Beenden wir den Post also mit einer kleinen Kombination der deutschen Nr. 1:

Naiditsch,A - Dive,R Olympiade (Deutschland - Neuseeland)

Weiß am Zug