Caruana on a killing spree

Fabiano Caruana

Oh, jetzt fange ich schon an englische Überschriften zu verwenden. Ich glaube, es ist nicht mehr weit und ich schreibe meinen ersten Beitrag ganz in englisch. Und dann das erste Video. Aber step by step. Es ist Wochenende, ich habe meine erste Psychologie-Klausur erfolgreich hinter mich gebracht und ein wenig Zeit, zu schauen was so in der Schachwelt passiert. Super starke Turniere in London und Poykovskiy, aber die Crème de la Crème versammelt sich in Sao Paolo. Carlsen, Aronian, Anand, Karjakin, Caruana, Vallejo Pons, was für ein Feld! Wobei Vallejo Pons ein wenig das schwarze Schaf ist im Turnier, hat er doch als einziger Spieler unter 2700 Elo. Dafür hält er die spanische Flagge hoch. Moment, Sao Paolo und Spanien, wie passt das zusammen? Nach den ersten fünf Partien in Brasilien wird die Rückrunde in Bilbao ausgetragen. Das macht es natürlich besonders spektakulär und ein wichtiger Faktor wird auch sein, wer die Atlantiküberquerung und den damit verbundenen Klimawechsel besser übersteht. Ich erinnere mich an letztes Jahr, wo Ivanchuk überragend in Sao Paolo spielte, dann allerdings in Bilbao einknickte und von Carlsen noch eingeholt wurde. Dabei sollte ich aber wohl nicht unerwähnt lassen, dass Ivanchuk in Brasilien kurz vor dem Abflug nach Spanien überfallen und ausgeraubt wurde, was sicherlich auch mitverantwortlich war für seinen Einbruch.

Nun zu meiner etwas reißerischen Überschrift. Fabiano Caruana, der jüngste Teilnehmer im Turnier, spielt bisher überragend und hat nach vier Runden dreieinhalb Punkte auf dem Konto. In der ersten Runde mit dem vollen Punkt gegen Carlsen zwar etwas glücklich, überzeugte er in den Partien gegen Karjakin, Anand und Vallejo Pons. Auch gegen Anand war ein voller Punkt in Reichweite, aber der amtierende Weltmeister verteidigte sich zäh und konnte die Stellung halten.

Am meisten fasziniert hat mich seine Partie gegen Karjakin. Von einer Zerstörung zu sprechen ist untertrieben:

Selten habe ich gesehen, wie zwei Läufer zwei Türmen so haushoch überlegen waren. In der gestrigen Runde wurde dann Vallejo Pons gecrushed, allerdings war die Sache nicht so klar, wie es vielleicht auf dem ersten Blick schien:

Caruana - Vallejo Pons Sao Paolo

 

Schwarz am Zug

Die kritische Stellung. Alle weißen Figuren sind gegen den schwarzen König gerichtet, aber Schwarz hat mit dem Läufer auf d2 noch ein Ass im Ärmel. Dieses hätte er jedoch nur mit 20...Dc7!  ziehen können. Nun wird 21.Lxg6 mit Lxe3+ gekontert. Nach 22.Dxe3 fxg6 23.Tf6! hat Weiß aufgrund der schwachen schwarzen Felder Kompensation für die zwei Minusbauern. Die Stellung bleibt unklar, sollte aber ungefähr ausgeglichen sein. Nach dem Partiezug 20...Dd8 war der Drops allerdings schnell gelutscht: 21.Sxf7 Lxe3+ 22.Kh1 Dh4 23.Lxg6 Lg5 24.Lh7+ Aufgabe.

Das Turnier ist noch lang, aber Caruana hat sich mit seinem furiosen Start schon einen komfortablen Vorsprung erarbeitet. Vielleicht vorentscheidenden Charakter wird die erste Partie der Rückrunde in Bilbao haben, wenn Carlsen mit den weißen Steinen auf Caruana trifft.