Resümee

Das Team: v.l.n.r. Giorgi Margvelashvili, Adithya Balasubramanian, Sabina Foisor, Nazi Paikidze, Sasha Kaplan und ich

Die letzten Finals sind vorbei und wie sagt man hier "I aced that sh*t"! So oder so ähnlich prahlt man, wenn man eine Klausur mit der Bestnote, A, bestanden hat. Das deutsche Pendant wäre wohl "geeinst", aber das klingt irgendwie nicht so cool. Wie auch immer, es ist Zeit über das ganze Semester ein kleines Resümee zu schreiben. Und ich hab mir gedacht, ich mach das mal ganz gewitzt und verteile Punkte, so ähnlich wie bei einem Nationalmannschaftsvergleich vor einem großen Fußballspiel (jedenfalls da hab ich das her :).

- Schach: Vielleicht hat man es bei meinen letzten Posts schon gemerkt, ich bin nicht der größte Fan vom amerikanischen Schach. Es hat seine Vorteile wie z.B. dass Partien nicht in die Datenbank kommen und dass man Geld spart, da die Turniere meistens doppelrundig und ergo kurz sind. Aber ich werde das Gefühl nicht los, dass Schach hier nicht so richtig ernst genommen wird. Jedenfalls war das mein Eindruck vom Turnier in Philadelphia. Alles ist so lala. Die Auslosung für die Runde wird fünf Minuten vor Partiebeginn ausgehängt. Die Runde beginnt, wenn beide Spieler da sind und auch beide das nötige Spielmaterial dabei haben. Es wird Musik auf dem Handy gehört während der Partie. Obwohl das soll wohl jetzt bald geändert werden, thank goodness! Wie auch immer, Punkt für Deutschland, 1-0

Das wohl imposanteste Gebäude auf dem Uni-Campus, die Bibliothek

- Universität: Ich hatte ein sehr angenehmes erstes Semester hier an der Uni. Die Universitäts-Campus ist nicht super riesig; zwar braucht man schon mal ne gute Viertelstunde von seinem Zimmer zum Unterricht, aber es ist nicht so wie an anderen Unis, wo Busse einen über den Campus transportieren müssen. Der Campus hat einen netten See und viele Grünflächen, auf denen Kids regelmäßig Ultimate Frisbee spielen (vergleichbar zu Football, nur mit Frisbee und ohne Körperkontakt). Über die verschiedenen Hilfsinstitutionen wie das Math Lab oder Writing Center hatte ich ja schon mal geschrieben. Mein Besuch dort hat maßgeblich dazu beigetragen, dass ich ein A in meinem Geschichtskurs bekommen habe. Da ich nie an einer deutschen Uni studiert habe, kann ich hier allerdings keine Punkte vergeben.

Eine Oase der Entspannung

- Restaurants: Der Service in amerikanischen Restaurants ist um Längen besser als was ich von Deutschland gewöhnt bin. Von Beginn an bekommt man ein Glas Wasser, was während des gesamten Aufenthalts immer wieder nachgeschenkt wird. Während man isst, kommt der Kellner mehrfach vorbei und fragt, ob alles in Ordnung ist. Und hier kommt der Hammer: Wenn man ein, wohlgemerkt, nicht-alkoholisches Getränk bestellt, kann man es sich in den meisten Restaurants immer wieder nachfüllen lassen, ohne erneut dafür bezahlen zu müssen. Ganz klarer Punkt für die USA, 1-1. Übrigens ziemlich witzig: Amerikaner essen anders. Wenn sie zum Beispiel ein Stück Fleisch essen, dann schneiden sie es wie wir erst mit Gabel und Messer. Aber anstatt es dann direkt mit der Gabel in der linken Hand zum Mund zu führen, wird das Messer zur Seite gelegt und die Gabel in die rechte Hand genommen. Super umständlich!

- Leute: Amerikaner sind cool. Von dem Personal in der Mensa über die Professoren (hatte einen unglaublich guten Geschichts-Professor) bis hin zu meinen Studienkollegen, alle größtenteils nett, hilfsbereit und freundlich. Zwei Beispiele: Die Familie, die mich während der ersten Woche in den Staaten beherbergt hatte, lud mich nochmal ein im November zum Thanksgiving. Einfach großartig. Wahrscheinlich werden sie es nie lesen, aber big, big thankyou to Family Burke, you guys are awesome! Und jetzt für Weihnachten hat mich hier ein Kumpel von der Uni zu sich nach Hause eingeladen, damit ich mal das amerikanische Weihnachten erlebe. Thanks to Julian Loiacono, really appreciate it! Sorry German folks, but point for the U.S., 1-2! Was noch ganz interessant ist: Amerikaner legen nicht allzu großen Wert auf Mode. Zu diesem Schluss bin ich nach reiflicher Beobachtung zusammen mit Mode-Expertin Nazi Paikidze gekommen. Ich musste öfters Auskunft geben, wo ich gewisse Kleidungsstücke erworben habe und mir wurde vorgehalten, ich sei overdressed. Mit so einer Anschuldigung wurde ich in Deutschland noch nicht konfrontiert :)

Wenigstens ein bisschen deutsche bzw. eher gesagt hamburgische Kultur konnte ich in Baltimore etablieren

- Supermärkte: Man nehme einen Aldi plus einen Netto plus einen Edeka plus einen Penny und tada, man hat einen amerikanischen Walmart. Was man in einem Walmart nicht findet, findet man vermutlich auch nirgendwo anders. Ein wenig von der Größte eingeschüchtert bevorzuge ich es, zu einem kleineren Supermarkt namens Mars zu gehen, der aber immer noch mindestens doppelt so groß wie ein deutscher Supermarkt ist. Man kann in diesen Läden sehr viel Zeit verbringen und die Auswahl ist schier unendlich. Ich bin mir noch nicht sicher, was mir wirklich besser gefällt, deshalb vergebe ich hier mal keine Punkte.

- Autos: Die Male, die ich während meines ersten Semesters vom Campus runtergekommen bin, kann ich fast an beiden Händen abzählen. Okay, das ist vielleicht ein wenig übertrieben. Dennoch, ohne Auto geht hier fast nix. Ein HVV-System sucht man hier vergeblich. Zwar gibt es Busse, aber die fahren nur alle halbe oder gar ganze Stunde. Ich vermisse die Zeiten in Hamburg, wo ich alles schnell und relativ einfach mit Fahrrad, Bus oder Bahn erreichen konnte. Punkt für Deutschland, 2-2

Im National Aquarium; der Taucher erlaubte sich einen kleinen Spaß mit den Fischen                        

- Kreditkarten: Amerikaner haben einen Kreditkarten-Fetisch. Ich kann mich kaum an einen Ort entsinnen, wo man nicht mit Kreditkarte bezahlen konnte. Ob beim Einsteigen im Bus oder an einem Getränkeautomat, einmal durchgezogen, swish, fertig. Zusätzlich hilft, dass hier normale Bankkarten auch als Kreditkarten funktionieren. Ich finde, das erleichtert vieles, obwohl man natürlich aufpassen muss, dass man nicht den Überblick für die Finanzen verliret. Punkt für die USA, 2-3.

- Handys: Das Handysystem in den Staaten weicht ein wenig von dem deutschen ab. In den ersten Wochen, nachdem ich mir hier ein Handy besorgt hatte, bekam ich stets Anrufe von irgendwelchen Fremden. Irgendwann erzählte mir jemand dann, dass die Handynummern hier wiederverwendet werden und dass das so gut wie jedem passiert, der sich ein neues Handy zulegt. Scheinbar haben die Amis so viele Handys gekauft, dass ihnen die Nummern ausgegangen sind?! Was auch ein wenig doof ist: Es kostet hier auch, wenn man angerufen wird und nicht nur wenn mal selber anruft. Punkt für Deutschland

Final Score: 3-3 Und jetzt soll niemand sagen, ich hätte das so eingefädelt, damit ich niemanden auf die Füße trete ;)

Partie des Jahres ?!

Ihr kennt mich, ich kann einen Post einfach nicht ohne Schach abschließen. Deshalb hier zum Abschluss eine der schönsten Partien des Jahres; ich überlasse es euch zu entscheiden, ob es die beste ist.

Es ist übrigens der "European Team Cup", nicht "Club", das wäre ja auch doppelt gemoppelt.

Nun schaue ich voller Vorfreude auf die am 26. Dezember beginnende College Meisterschaft, bei der es für unser Team gilt unter den besten Vier zu landen, um uns für das Final Four Turnier im nächsten Jahr zu qualifizieren.