Die verflixte 27. Partie (Update)

Socko - Huschenbeth an Tisch 1

Eigentlich lief alles wie am Schnürchen. Bis zur siebten Runde. Aber der Reihe nach. In Runde 5 erspielte ich mit den schwarzen Steinen gegen Bartosz Socko ein verhältnismäßig leichtes Remis. Socko hatte eine taktische Finesse übersehen, die mir aber zugegebenermaßen auch auf den ersten Blick verborgen geblieben war:

Socko - Huschenbeth St.Pauli-Open

Weiß am Zug

Nach 23.Txd3 könnte man meinen, ich hätte eine Figur eingestellt, denn Txd3 würde an 24.Dc8+ Kh7 25.Le4+ scheitern. Aber ich hab den Angriffszug 23...Ta2 und nach 24.f4 Db2 bleibt Weiß nichts weiter übrig als Dauerschach zu geben: 25.Dc8+ Kh7 26.Df5+ Kg8 remis.

In der sechsten Runde spielte ich mit Weiß gegen Dusan Nedic (Elo 2328), was ich für eine lösbare Aufgabe hielt. Tatsächlich erreichte ich nach der Eröffnung, die bis zum 17. Zug exakt meiner Partie gegen Matthias Blübaum glich, eine vorteilhafte Stellung. Dann sah ich eine Fortsetzung, mit der ich einen Bauern gewinnen konnte und dachte nicht mehr groß über Alternativen nach. Aber wie schon Emanuel Lasker sagte: "Wenn du einen guten Zug siehst, suche nach einem Besseren!"

Huschenbeth - Nedic St.Pauli-Open

 

Weiß am Zug

Hier spielte ich 25.Dxe4 und gewann nach den weiteren Zügen Dxa2 26.Se5 Sxe5 27.Txc8+ Lxc8 28.dxe5 Tf8 29.Dxb4 einen Bauern. Diesen dann zum Gewinn zu verwerten, gelang mir allerdings nicht. Hätte ich Laskers Ratschlag befolgt, wäre mir wohl 25.Sg5 (oder Sd2) ins Auge gefallen, was sofort sehr stark aussieht. Falls nun wie in der Partie Dxa2 (Tcf8 wäre wohl besser), dann 26.Sxe4 Tf8 und nun stark 27.b3!, der wegen Sc5 nicht geschlagen werden kann. Der Springer wird sich nun ohnehin auf c5 einnisten und Weiß steht riesig.

Jetzt spielte ich wieder mit Schwarz, nicht wirklich meiner Lieblingsfarbe, gegen IM Harald Grötz (Elo 2318). Zu meiner Freude kam mein geliebter Najdorf aufs Brett und ich konnte bald einen starken Angriff entfachen, dem mein Gegner nichts mehr zu entgegnen hatte. Da Socko zur selben Zeit mit Weiß nach nur knapp über 20 Zügen Remis in klar schlechterer Stellung machte, war alles wieder im Lot. Mit 6/7 Punkten teilte ich mir nun den Platz an der Sonne mit IM Georgios Souleidis, der mein nächster Gegner sein sollte.

Für das Kiezblitz waren sich auch die GMs nicht zu schade: Socko - Gustafsson und daneben ich gegen Felix Meißner, dessen Hand das Astra umfässt

Aber vorher war am Freitag nach der Runde noch der traditionelle Kiezblitz, der diesmal über dem Schmidttheater mitten auf der Reeperbahn stattfand. Bei dem Kiezblitz trifft sich seit einigen Jahren eine gesellige Runde Schachspieler, die neun Partien Blitz um die goldene Ananas spielen. Während ich aber letztes Jahr noch den geteilten ersten Platz einheimste (wie übrigens später beim eigentlichen Turnier auch), reichte es diesmal nur für den geteilten dritten bis neunten Platz. Ein erstes schlechtes Omen?!

Am Samstag folgte nun die achte Runde, die mir einige unruhige Nächte bescheren sollte (okay, vielleicht eine leicht hyperbolisierte Darstellung). Schauts euch an:

Es tut mir immer weh, wenn ich daran denke, wie leicht es manchmal sein konnte. Nur ein Zug, gegen Nedic Sg5 und gegen Souleidis Sa4, und ich hätte diese Partien wohl zu vollen Punkten verwandelt. Auf der anderen Seite hatte ich in der ersten Runde gehörig Glück und so gleicht sich vielleicht am Ende wieder alles aus?!

In der letzten Runde spielte ich nun gegen GM Henrik Teske, mit dem ich erst einmal zuvor die Klingen kreuzte: 2009 in Pardubice, wo es eine klare Niederlage für mich setzte. Mit einem Pack von fünf Spielern mit 6,5 Punkten vor der letzten Partie war das Turnier so offen wie nie zuvor. Aber wer mit schnellen Remisen nach 10 Zügen gerechnet hatte, wurde enttäuscht. Alle Partien vorne wurden ausgekämpft und entschieden. Teske bot mir tatsächlich nach acht Zügen remis an. Ich lehnte ab und kam mir dabei vor wie der Zocker in der Spielhölle nachdem er grade einen Batzen Geld verloren hat und sich sagt: "Jetzt hol ich mir alles zurück!" Natürlich hinkt diese Analogie ein wenig, denn anders als in den Casinos kommt es beim Schach ja nur auf die eigenen Fähigkeiten an. Und da fühlte ich mich selbstbewusst genug, eine volle Partie zu spielen. Es wurde eine volle Partie, aber dann griff ich fehl:

Teske - Huschenbeth St.Pauli-Open

Schwarz am Zug

Teske hatte gerade seine Dame gegen Turm und Leichtfigur gegeben und mit seinen aktiven Figuren hat er mehr als genug Kompensation dafür. Es war jetzt an mir, diese Aktivität einzudämmen, aber ich spielte 22...Dh4?, um direkt danach zu erkennen, dass 22...Td8! möglich war. Nach 23.Td4! Txd4 24.exd4 Dd8 25.Txe4 steht Weiß zwar ein bisschen besser, aber Schwarz sollte ein Remis halten können. In der Partie folgte 23.Sc5 und erst jetzt spielte ich Td8??, was nun auf der Stelle verliert. 24.Td4! hebt das Grundreihenmatt auf und es ist Schwarz, der wegen seiner Grundreihe nervös wird. Ich spielte 24...Lb5, aber nach 25.g3 Df6 26.Sxe4 ist alles vorbei und die schwarze Stellung zerfällt wie ein umgeblasenes Kartenhaus.

26 Partien war ich im St.Pauli-Stadion unbesiegt, aber jede Serie reißt einmal und natürlich dann wenn es am wenigsten passt (aber wann passt eine Niederlage schon mal ;).

v.l.n.r.: Socko, Reddmann, Jolie, Souleidis, Meißner und Sieger Teske

Herzlichen Glückwunsch an Henrik Teske, der nach zweiter Feinwertung knapp vor Georgios Souleidis ins Ziel kam, der in der letzten Runde Lev Gutman besiegte. Und auf dem dritten Platz landete mit ebenfalls 7,5 Punkten der Topfavorit Bartosz Socko, der aber natürlich wenig zu seiner nicht so guten Buchholz konnte. Auf den Plätzen vier und fünf mogelten sich mit jeweils 7 Punkten Felix Meißner und Hauke Reddmann, die wenig mit dem Geschehen vorne zu tun hatten, aber durch einen starken Schlussspurt nach vorne kamen. Und schließlich folgte ich dann auf dem sechsten Platz mit der besten Buchholz der Spieler mit 6,5 Punkten.

Ich bedanke mich bei dem St.Pauli-Organisationsteam, das mal wieder ein Klasse-Turnier auf die Beine gestellt hat! Am coolsten finde ich persönlich das Bulletin mit kleinen, netten Geschichten, dass man vor jeder Runde in die Hand bekommt. Bei welchem anderen Turnier gibt es das schon?! Alle Bulletins sowie die Tabelle können auf der Turnierwebsite angeschaut werden.

Ich jedenfalls hoffe, dass ich auch 2014 am Millerntor wieder mit von der Partie sein werde!