Kramnik im Stile Tals

Vladimir Kramnik

Vladimir Kramnik ist seit jeher als ein positioneller Magier bekannt. Als jemand, der langsam positionelle Vorteile anhäuft und so gemächlich dem Gegner die Luft abschnürt. Doch er kann auch anders. Seit einigen Jahren hat er eine Facette in sein Spiel aufgenommen, die komplett seinem Naturell widerspricht, wenn man ihn überhaupt in diese positionelle Schublade stecken möchte. Dann spielt Kramnik super aggressiv und opfert was das Zeug hält. Zum ersten Mal wurde mir das klar, als ich 2011 eine Partie Kramniks für das Schachmagazin analysierte:

Partie des Monats, August 2011: Galkin,A - Kramnik,V

Gerade gegen Spieler, die 150 bis 200 Elopunkte schwächer sind als er selbst, geht Kramnik ein hohes Risiko und opfert ohne mit der Wimper zu zucken. Und das klappt erstaunlich gut. Die meisten Spieler knicken irgendwann ein und verpassen die besten Verteidigungszüge. Ein weiteres Beispiel ist eine Partie vom erst kürzlich gespielten Super-GM-Turnier in Dortmund:

Während das Qualitätsopfer in der Partie gegen Fridman einigermaßen gerechtfertigt war, ist das nicht zu vergleichen mit den Opfern, die Kramnik nun in der ersten Runde des Russischen Superfinales brachte. Mit dieser Partie erinnerte er mich stark an den achten Weltmeister Mihail Tal, der für seine spekulativen, oftmals nicht ganz korrekten Opfer bekannt war. Allerdings spielte Tal sie nicht nur gegen schwächere Gegner, sondern im Prinzip gegen jeden, aber wie vielleicht schon zu erraten, meistens mit Erfolg. Der psychologische Aspekt ist dabei nicht zu unterschätzen. Am Brett weiß ja der Gegner nicht, ob das Opfer korrekt ist oder nicht und wenn ein Hochkaräter wie Tal oder Kramnik etwas opfert, dann ist man automatisch eingeschüchtert. Genug gesprochen, hier die erwähnte Partie:

Überhaupt bietet das Russische Superfinale (drei Runden sind bisher gespielt) sehr spannende, umkämpfte Partien bislang. Wer mal reinschauen möchte, kann das zum Beispiel hier tun.