Wie der Phönix aus der Asche

Karjakin und Anand bei der Post-mortum Analyse (Foto von der offiziellen Website)

"Wenn Sie mich fragen, wer NICHT gewinnen wird, dann kann ich Ihnen eine klare Antwort geben: Anand. Wir können den folgenden Deal machen: Wenn Anand gewinnt, werde ich öffentlich zugeben, dass ich keine Ahnung habe von Schach und dass ich nie wieder an einer solchen Umfrage teilnehmen werde."  Evgeny Surov

"Ich bin mir sicher, dass entweder Aronian, Kramnik oder Karjakin das Turnier gewinnen wird." Fabiano Caruana

"Ein Sieg von Anand würde mich total überraschen." Alexander Grischuk

Vor dem Kandidatenturnier gab es eine heiße Diskussion, wer die besten Chancen hat das Ding zu gewinnen und gegen Carlsen im WM-Match anzutreten. Aber wenn es darum ging, wer keine bis wenig Chancen hätte, dann waren sich alle mehr oder weniger einig: Anand. Und ich bin da keine Ausnahme. Anand hatte in den letzten Jahren magere Turnierergebnisse und unterlag beim WM-Match gegen Carlsen chancenlos. Er überlegte sogar, gar nicht mehr am Kandidatenturnier teilzunehmen. Er wird froh sein, es doch getan zu haben.

Anand spielte eines der besten Turniere seines Lebens und qualifizierte sich völlig verdient zum WM-Match gegen Carlsen. Das beeindruckende an seinem Turnier sind nicht seine drei Gewinnpartien (gegen Aronian, Mamedyarov und Topalov), sondern dass er keine einzige Partie verlor. Das muss man sich mal vorstellen. 14 Partien gegen die besten Spieler der Welt (bis auf Carlsen) und er war noch nicht mal nah dran eine Partie zu verlieren! Das einzige Mal unter Druck kam Anand in der dreizehnten Runde gegen Karjakin, aber auch das etwas schwierige Endspiel hielt er relativ mühelos remis. Chapeau vor dieser Leistung!

Für die beiden Favoriten, Kramnik und Aronian, lief es nicht (Foto von der offiziellen Website)

Bei der ganzen Lobhuldigung darf man allerdings nicht vergessen, dass die ernannten Favoriten vor dem Turnier, Kramnik und Aronian, nicht ihre Form fanden. Kramnik erlaubte sich für sein Niveau unglaubliche Schnitzer (gegen Karjakin und Svidler), während Aronian wie schon letztes Jahr in der zweiten Turnierhälfte einbrach. 2/7 in der Rückrunde sprechen für sich. Er wird am besten wissen woran es lag, ob ihm die Kraft ausging, die Nerven nicht mitspielten oder der Druck zu hoch war. Wie auch Carlsen in seinem Kommentar über das Turnier sagte, schien es, dass gerade Aronian den Sieg zu oft erzwingen wollte und komplizierte Stellungen herbeiführte, wo er sich dann aber nicht gut zurechtfand (siehe gegen Mamedyarov und Andreikin). Es wird sicherlich an ihm zehren, dass er das Turnier mit einem enttäuschenden siebten Platz beendete und er wird seine Lehren daraus ziehen. Ich bin davon überzeugt, dass Aronian ein zu starker Spieler ist um sich nicht irgendwann mal für die WM zu qualifizieren.

Positiv überrascht haben mich Mamedyarov und Andreikin. Gerade bei letzterem hatten wohl viele erwartet, dass er ein gefundenes Fressen in diesem Feld sein würde, aber er schlug sich sehr vernünftig (auch wenn Caissa ihm bei den Partien gegen Aronian und Anand zur Seite stand) und landete auf einem ordentlichen vierten Platz. Zu guter Letzt möchte ich noch kurz über Karjakin sprechen. Es war faszinierend zu sehen wie er nach einer katastrophalen Rückrunde (2,5/7) sich aufraffte und bis zum Schluss kämpfte. Beeindruckend wie er in der letzten Runde Aronian über sieben Stunden knetete, letztlich gewann und als verdienten Lohn den zweiten Platz eroberte.

Den finalen Tabellenstand sowie vieles mehr könnt ihr auf der vorbildlich strukturierten offiziellen Website des Turniers sehen. Ich werde übrigens nächstes Wochenende endlich mal wieder selber schachlich aktiv sein. Der President's Cup steht an, wo die vier besten College-Teams aufeinandertreffen. Ich bin bereit für meine Revanche mit Le Quang Liem :)