Mitropa-Cup (3)

Ich hatte mir vorgenommen, erst wieder was zu schreiben, wenn ich einen vollen Punkt einfahre. Hat leider ein wenig länger gedauert, als ich gehofft hatte. Aber die Chancen waren da, so ist es nicht. In Runde 3 gegen den Kroaten Marin Bosiocic (Elo 2555) hatte ich zwischenzeitlich sogar zwei Mehrbauern, zum Gewinn verdichten konnte ich es aber nicht - Remis. Mit dem 2-2 Gesamtergebnis konnten wir aber gegen die favorisierten Kroaten ganz zufrieden sein. In Runde 4 gegen Frankreich wurde es dann deutlich schlimmer. Nach einer, sagen wir mal, durchwachsenen Partie gab es eine heillose Zeitnotschlacht und kurz vor dem Ende stand diese Stellung auf dem Brett:

Housieaux - Huschenbeth Mitropa-Cup

Schwarz am Zug

Mit einer Minute auf der Uhr und im Glauben zu Gewinnen spielte ich 35...Ld6??, um nach 36.Da6+ aufzugeben. Das Schach hatte ich überhaupt nicht auf der Rechnung, Weiß setzt matt in drei. Zum Remis würde 35...Dg2+ nebst Db7 oder 35...a5 führen, aber Schwarz kann sogar gewinnen. 35...Tdf8!, danach gibt es ein paar verrückte Varianten, z.B. 36.Sxa7+ Kd8 37.Sc6+ Ke8 38.e6! T8f2+ 39.Kb3 Txb2+ 40.Kxb2 Dh2+ 41.Ka3 Lxd6 42.Da8+ Lb8 und Schwarz gewinnt.

Das Match verloren wir unglücklich mit 1-3, Dennis und Patrick ließen jeweils Chancen liegen. Jetzt hieß es gegen die Schweizer wieder zurückzukommen und das sollte uns mit einem 3,5-0,5 auch eindrucksvoll gelingen.

Schweiz - Deutschland

Typische Marotte (fast) aller Schachspieler: Zurechtrücken der Figuren vor Partiebeginn

Ich spielte gegen IM Beat Züger (Elo 2413) und kam eigentlich ganz gut aus der Eröffnung. Doch nach und nach entglitt mir die Partie und es kam ein ausgeglichenes Endspiel aufs Brett. Doch ich spielte einfach noch ein bisschen weiter und irgendwann erreichten wir folgendes Turmendspiel:

Huschenbeth - Züger Mitropa-Cup

Weiß am Zug

Ich mag Turmendspiele persönlich sehr gerne, denn es gibt selbst bei wenig Figuren auf dem Brett noch unglaublich viele Feinheiten. Und damit auch viele Möglichkeiten, Fehler zu machen. Welchen Bauern soll Weiß schlagen? 73.Txa5!, denn Schwarz kann den c-Bauern nicht verteidigen. Jetzt gibt es nur einen Weg zum Remis, nämlich 73...c4! 74.Tc5 Ke4 75.Txc4+ Kd5 und der schwarze König ist nah genug. Doch mein Gegner spielte 73.Th7+ und nach 74.Kb6 war die Stellung theoretisch gewonnen. Nach weiteren Patzern meinerseits war es noch zweimal Remis, aber zum Glück machte mein Gegner den letzten Fehler und ich gewann.

Morgen gehts gegen den Tabellenführer, Slowenien, die bisher alle ihre Kämpfe siegreich gestalten konnten. Ich werde gegen den eloschwersten Spieler des Turniers spielen, Luka Lenic, mit einer Zahl von 2634. Ich habe eh noch eine Rechnung mit ihm offen, denn vor zwei Jahren beim Mitropa-Cup in der Schweiz musste ich eine bittere Niederlage gegen ihn einstecken.

Zum Abschluss noch ein paar Impressionen:

Die beiden Prinzen Dennis und Matthias auf dem Weg zum Fußball

Gleich gehts los, kurz noch ein bisschen aufwärmen

Wir spielten Deutschland + Kroatien gegen Ungarn + Frankreich bzw. oberkörperfrei gegen nicht oberkörperfrei

Der Hotelpool, eine Oase der Entspannung