Mitropa-Cup (5)

Ab nach Hause!

Ungarn und Deutschland! Das sind die Sieger des diesjährigen Mitropa-Cups in Kroatien! Ungarn überzeugte bei den Männern mit einer soliden Mannschaftsleistung, gab nur zwei Unentschieden ab und gewann das Schlüsselspiel in Runde 7 gegen die bis dato führenden Slowenen. Und bei den Frauen gewann zum ersten Mal in der Geschichte des Mitropa-Pokals unser Team, Riesen-Glückwunsch an Julia Bochis und Jade Schmidt! Julia spielte ein sehr starkes Turnier und erzielte mit 5,5/7 Punkte die beste aller Leistungen. Nur schade, dass das Turnier nur 7 Runden ging, sonst hätte sie mit Sicherheit eine WIM-Norm (oder gar WGM-Norm) erspielt. Jade startete mit 3/3 furios, ließ dann ein wenig nach, aber markierte den wichtigen Big Point gegen Italien. Für die Statistikfreunde finden sich hier alle Sieger der letzten Jahre im Überblick.

v.l.n.r. Zweiter Slowenien, Erster Deutschland und Dritter Italien

Nun zu dem unrühmlichen Ende unserer Herren-Mannschaft. Man sagt ja immer, die letzten beiden Runden entscheiden darüber, ob es ein gutes oder schlechtes Turnier wird. Und da wir leider die letzten beiden Runden mit 1,5-2,5 verloren, erst gegen Ungarn, dann Slowakei, wurde es dementsprechend kein gutes Turnier. Der achte Platz spiegelt nicht ganz unsere schachliche Leistung wieder, wie ich finde.

Gegen Ungarn sah es eigentlich lange Zeit gut aus. Patrick war zwar in die gegnerische Vorbereitung gelaufen und verbrauchte schon früh viel Zeit, aber an den Brettern 1-3 war alles drin. In meiner Partie gegen Viktor Erdos verflachte es dann aber doch recht bald und wir vereinbarten Remis. Leider konnten Matthias und Patrick ihre ausgeglichenen Stellungen nicht halten und verloren jeweils, während Dennis seinen leichten Vorteil zum Sieg verwerten konnte. Damit brachte er schon eine Runde vor Schluss seine letzte IM-Norm unter Dach und Fach und wird jetzt bald IM, herzlichen Glückwunsch!

Nun sollte wenigstens ein versöhnliches Ende her, aber auch das sollte einfach nicht klappen. Woran ich aber wohl die größte Schuld trage. In dieser Stellung versaute ich die Partie nämlich in zwei Zügen:

Jurcik - Huschenbeth Mitropa-Cup

Schwarz am Zug

Weiß hatte gerade einen Bauern geopfert und hat dafür jetzt ein wenig Druck. Züge wie f3 oder Wegzug des Läufers e3 nebst Tde1 liegen in der Luft. Ich wollte mich gerne mit c6 entlasten, darauf folgt jetzt aber lästig Lb6. Deshalb spielte ich 19...Tb8?, was auch b5 vorbereitet. Dabei wäre aber direkt b5, was ich auch überlegt hatte, viel stärker gewesen, z.B. 19...b5 20.cxb5 Tb8 21.Dxc7 Sc3+!! 22.bxc3 Txb5+ 23.Kxc2 Txd5 und Schwarz steht besser. In der Partie ging es weiter mit 20.La7? (stärker war Lc1 gefolgt von f3) und nun wollte ich nicht mit Ta8 die Züge wiederholen. Stattdessen brachte ich mich selber um: 20....c6??, was auf der Stelle verliert. 21.Se3, dieser simple Zug war mir entgangen; Weiß öffnet g-Linie und erhält sehr starken Angriff.

Da auch Dennis seine Partie verlor und Matthias aus seiner besseren Stellung nur einen halben Zähler herausbekam, war unsere letzte Niederlage besiegelt. Patrick gewann immerhin noch und fährt nun mit einem guten Gefühl zum nächsten Turnier nach Pula, wo ich ihm viel Erfolg wünsche.

Sieger Ungarn, v.l.n.r. Gabor Papp, Richard Rapport, Viktor Erdos, Tamas Banusz

Resümee: Ich denke, wir hatten alle schöne zehn Tage in Sibenik. Es war prächtiges Wetter und wenn man gerade nicht am Schachbrett saß, konnte man seine Zeit gut beim Fußball oder am Pool verbringen. An Brett 1 habe ich starke Gegnerschaft bekommen und mit 50% der Punkte genau meine Erwartung gespielt. Auch so muss man sagen, der achte Platz liest sich zwar doof, aber wir haben alle ziemlich genau unsere Zahl gespielt, die beiden Prinzen ein wenig drüber. Ich sollte mein Schwarzrepertoire nochmal unter die Lupe nehmen, die beiden Niederlagen gegen Englisch (1.c4) sind nicht rein zufälliger Natur.

Schade natürlich, dass es nicht mehr spannende/interessante Partien gab, die sich für ein Video geeignet hätten. Aber davon später bestimmt wieder mehr. Die Endtabelle und andere Infos des Mitropa-Cups finden sich hier. Bis bald!