U20 Weltmeisterschaft (5)

Drei weitere Runden gespielt, das Turnier neigt sich langsam dem Ende zu. Aus den letzten drei Partien holte ich 1,5 Punkte, aber die Niederlage in der zehnten Runde wird mich wohl noch ein wenig in meinen Träumen verfolgen. Aber der Reihe nach. In der Partie gegen den Inder, der mir tags zuvor schon mal abseits des Bretts ein Remisangebot unterbreitet hatte, kam es schlussendlich tatsächlich zu einem Friedensschluss. Die Partie endete nach hartem Kampf und beiderseitigen Chancen in einem Dauerschach.

Nun folgte die zehnte Runde gegen den Serben Aleksandar Indjic (Elo 2481). Eine furchtbare Partie, in der ich unzählige Male einfach von den gegnerischen Zügen überrascht wurde, weil ich sie gar nicht in Betracht gezogen hatte.

Der erste kritische Moment entstand nach 21 Zügen:

Indjic - Huschenbeth U20 Weltmeisterschaft

Schwarz am Zug

Die schwarze Dame ist angegriffen und muss offensichtlich ziehen. Ich zog 21...Dg6 und übersah dabei schlichtweg, dass Weiß den Punkt g2 mit 22.Se3 decken kann. Nach dem von mir erwarteten 22.g3 würde nämlich stark 22...Lxd5! folgen. Statt des Partiezugs hätte ich mit 21...Dc5+ klaren Vorteil erlangen können. 22.Se3 (auf 22.Kh1 folgt wiederum 22...Lxd5 23.cxd5 Txd5 und die weiße Dame ist überlastet, denn sie kann nicht e2 und c2 gleichzeitig decken. Auf 24.Ld3  folgt einfach Tad8 und Schwarz steht auf Gewinn) und nun sehr stark 22...Lc6! mit der Drohung a4 und der Springer auf b5 ist in Schwierigkeiten. Nach einer langen forcierten Variante bleibt Schwarz mit Qualität mehr über: 23.Te1! Sxe2+ 24.Dxe2 a4 25.Sc7! axb3 26.Sxa6 Lb5! 27.Sxc5 Lxe2 und in dem Endspiel hat Schwarz natürlich gute Gewinnchancen.

Im Mittelspiel machte ich dann weitere Patzer und hatte sogar noch Glück, nach der Zeitnot in ein Endspiel mit Minusqualität zu gelangen. Dort spielte aber nun auch mein Gegner ungenau und die Stellung wurde wieder ausgeglichen. Dann passierte etwas, was für mich rational nicht erklärbar ist. In der kritischen Stellung investierte ich ca. 10 Minuten, aber konnte trotzdem nicht den relativ einfachen Weg zum Remis finden. Um dem Ganzen dann die Krone aufzusetzen, hatte ich in folgender Stellung noch eine Halluzination:

Hier kam ich zu der Überzeugung, dass 58...Kd2 leider verlieren würde und zwar wegen 59.Tc4. Das wäre in der Tat so, wenn dieser Turm nicht einfach mit dem Springer geschlagen werden könnte. Schwarz sollte das Remis immer noch verhältnismäßig leicht erreichen. Nach meinem Zug 58...Kb2 steht der König dort natürlich denkbar ungünstig und es gibt nur noch einen schmalen Grat zum Remis. Mit einer Minute auf der Uhr war ich nicht in der Lage, diesen zu finden und verlor.

Nun sollte mein nächster Gegner, der Chinese Rui Gao (Elo 2442), meinen ganzen Zorn spüren. Ich bereitete mich so intensiv vor wie das ganze Turnier noch nicht und tatsächlich gewann ich die Partie direkt aus der Eröffnung:

Huschenbeth - Gao U20 Weltmeisterschaft

Weiß am Zug

Wir befinden uns noch in meiner Vorbereitung, weshalb ich nur wenige Sekunden überlegen musste, bevor ich den Hammer 17.Txe4 auspackte. Nach 17...dxe4 18.Db3 hat Schwarz zwar zwei Bauern und Qualität mehr, aber hängt in der Entwicklung hoffnungslos zurück. Außerdem ist sein König auf den weißen Feldern viel zu stark geschwächt. Die Partie dauerte noch vier Züge: 18...Se5 19.Lf4 h6 20.Se6 Dd6 21.Tc1 Tb8 22.Tc5 1-0

Mit 7/11 kann ich mir natürlich keine Hoffnungen mehr machen auf die vorderen Plätze. Dennoch möchte ich selbstverständlich in den letzten beiden Runden nochmal alles probieren und möglichst zwei Punkte holen.