U20 WM Abschlussbericht

Die Sieger v.l.nr.: Ding Liren (3.), Alexander Ipatov (2.) und Richard Rapport (3.). Daneben FIDE-Funktionär Nigel Freeman

Das wars! Meine (vielleicht?!) letzte Weltmeisterschaft ist vorbei. Und dank eines kräftigen Schlussspurts mit drei Punkten aus den letzten drei Partien werde ich sie wohl doch noch recht gut in Erinnerung behalten. Mit 9/13 Punkten bin ich damit auf den geteilten 5.-10. Platz gelandet, nach Wertung auf dem neunten. Kein Wunder, da die Zweitwertung die Summe aller gegnerischer Elozahlen ist und ich gegen keinen einzigen elostärkeren Gegner spielte.

Gewonnen hat das Turnier der "Türke" Alexander Ipatov, der nach Wertung vor dem Ungar Richard Rapport liegt. Warum Türke in Anführungszeichen? Nun, man kann schon bei seinem Namen erahnen, dass er wohl kein gebürtiger Türke ist. Warum er zum türkischen Schachverband gewechselt ist, weiß ich nicht, aber vermutlich erhält er dort größere Unterstützung als bei dem vorherigen. Wie auch immer, er hat das Turnier jedenfalls verdient gewonnen. Von Anfang an immer an den oberen Brettern gespielt, keine einzige Partie verloren, eine grundsolide Leistung. Rapport hingegen verlor schon in der zweiten Runde, gab dann aber richtig Gas und machte aus den folgenden acht Partien siebeneinhalb Punkte, bevor er das Turnier mit drei Remis austrudeln ließ. Ärgern wird er sich dabei mit Sicherheit über das Remis gegen Grandelius in Runde 12, wo er zwischenzeitlich klar auf Gewinn stand.

Für den neunten Platz gab es noch einen kleinen Pokal und die neueste Ausgabe des Informators, yeayy!

Nun noch eine kurze Rückschau auf meine letzten beiden Partien. In Runde 12 sollte es gegen den Schüler von dem ehemaligen Spitzengroßmeister Sergej Dolmatov gehen. Grigoriy Oparin, 15 Jahre jung und bereits eine ordentliche Elozahl von 2488. Ich durfte wieder mit Weiß ran und mir sollte das unwahrscheinliche Kunststück gelingen, die zweite Partie in Folge direkt aus der Eröffnung zu gewinnen. Tatsächlich ließ sich mein Gegner auf eine Variante ein, die super gefährlich ist für Schwarz und von der er scheinbar keinen Schimmer hatte. Nach elf Zügen machte er bereits den Verlustzug:

Huschenbeth - Oparin U20 Weltmeisterschaft

Schwarz am Zug

Der harmlos aussehende Zug 11...e6 verliert! Notwendig war entweder 11...h6 oder 11...Sbd7, aber auch dann gerät Schwarz unter eine heftige Attacke. 12.Lf3 Der Läufer muss f7 gedeckt halten, deshalb bleibt nur 12...Lg6 und nun 13.Lxc6+!!. Das alles war natürlich noch Vorbereitung und kam bereits in mehreren Partien vor. 13...bxc6 14.Dxc6+ Sfd7 15.Sexf7 Lxf7 16.Sxf7 (siehe nächstes Diagramm)

Der Springer darf nun nicht genommen werden wegen Matt auf e6, deshalb bleibt nur 16...Df6 17.Sxh8 e5. Damentausch möchte Weiß nicht unbedingt, deshalb einfach 18.De4 und nach g6 19.d4 steht Weiß klar auf Gewinn. Er hat mindestens drei Bauern und Turm gegen zwei Leichtfiguren, außerdem ist der schwarze König anfällig. Genau diese Stellung gab es witzigerweise auch schon mal, nämlich in der Partie Grandelius - Perunovic.

In der letzten Runde sollte ich dann gegen ein weiteres Talent gelost werden, wobei man eher sagen muss, ehemaliges Talent. Der 17-jährige Jorge Cori stagniert seit einiger Zeit, so hatte er bereits vor zwei Jahren ungefähr die gleiche Elozahl wie jetzt, nämlich um die 2490. Mir gelang nochmal eine schöne Partie zum Abschluss, weshalb sich eine Videoanalyse natürlich anbot:

Das Gestotter am Ende ist der allgemeinen Erschöpfung zu schulden :) Noch ein Wort, wie sich die anderen Deutschen geschlagen haben: Mein Zimmerkollege Andreas Heimann spielte ähnlich wie ich ein durchwachsenes Turnier, verlor aber leider die letzte Runde. So kommt er auf acht Punkte genau wie Matthias Blühbaum und die beiden sind auch in der Abschlusstabelle direkt nebeneinander. Matthias spielte ein gutes Turnier, gewann 10 Elopunkte und bestätigte ein weiteres Mal, dass er völlig zu Recht schon mit 15 Jahren den Titel des Internationalen Meisters trägt. Unsere beiden Mädels mussten leider dem langen, kräftezehrenden Turnier Tribut zollen und knickten beide gegen Ende des Turniers ein wenig ein. Alisa kommt auf 5,5 Punkte und Hanna auf 50% der Punkte.

Wie auch im Video erwähnt, werde ich nun bald ein "normales" Leben führen und ein Studium in den USA, genauer gesagt, in Baltimore beginnen. Das Schachspielen werde ich nicht ganz an den Nagel hängen, aber logischerweise werde ich deutlich weniger spielen und so natürlich auch weniger berichten.

Bis bald!