Pan-American Championship

Unser Team: v.l.n.r. Levan Bregadze, Sabina Foisor, yours truly, Nazi Paikidze und Akshayraj Kore

Während die meisten Studenten die postweihnachtliche Zeit genießen und endlich nach dem Semester mal ausspannen können, müssen die Schachspieler ran an die Bretter. Denn genau zwischen Weihnachten und Sylvester finden die Universitätsmeisterschaften statt in den USA, oder auf englisch Pan-American Intercollegiate Chess Championship (kurz Pan-Am). Für mich leider schade, denn so verbrachte ich dieses Jahr und werde auch die nächsten Jahre Weihnachten nicht mit meiner Familie verbringen können.

Die Pan-Ams sind das wichtigste Turnier des Jahres überhaupt im College-Schach und ziemlich genau der Grund, warum ich hier in Baltimore ein Stipendium erhalten habe - damit ich das UMBC Schach-Team bei diesem Turnier unterstütze. Da ein paar Spieler aus der UMBC-Mannschaft im Sommer mit dem Studium fertig geworden waren, brauchten wir neue Leute und begrüßten frisch im Team Levan Bregadze und Akshayraj Kore.

Das Hauptziel bei den Pan-Ams ist es eine Top-4-Platzierung zu erreichen, denn die ersten vier Teams qualifizieren sich für den President's Cup, wo dann endgültig der College-Meistertitel vergeben wird. Während so gut wie alle Konkurrenten ihre Teams aufrüsteten - neu in der College-Schachlandschaft sind z.B. Le Quang Liem, Zherebukh und Kovalyov - hatten wir unser Team im Vergleich zum Vorjahr nicht wirklich verbessert - jedenfalls nicht von der Elo gesehen ;). Demzufolge wussten wir, dass wir ein schweres Turnier haben würden. Aber - UMBC hat sich bisher immer qualifiziert und mit dieser Tradition wollten wir natürlich nicht brechen. Dieses Jahr wurden die Pan-Ams von Texas Tech in Lubbock ausgerichtet, was in Texas liegt.

Die ersten zwei Runden spielten wir gegen zwei klar schwächere Mannschaften - University of West Indies und University of Toronto - und konnten jeweils mit 4-0 gewinnen. Dann wurden wir gegen die absolute Topmannschaft des Turniers gelost - Webster University. Susan Polgar hat dort ein Team aufgebaut, dass locker bei einer Olympiade mithalten könnte. Das war die Aufstellung: Le Quang Liem, Meier, So, Robson. Für mich natürlich eine Freude, denn gegen einen 2700-Spieler Marke Le Quang Liem spielt man ja nicht alle Tage:

Im Endeffekt setzte es die erwartete Niederlage - 0.5 -3.5, Raj holte das einzige Remis gegen Georg Meier. Das Turnier dauert nur sechs Runden, d.h. man darf sich keine zwei Niederlagen erlauben, wenn man Chancen auf die Qualifikation haben möchte.

              UTB vs. UMBC

In der vierten Runde wurden wir hochgelost und zwar gegen University of Brownsville, die einen Setzlistenplatz vor uns gemeldet waren. Ich spielte mit Schwarz gegen GM Anton Kovalyov (Elo 2617):

Da auch Nazi an Brett 4 gewann, während Levan und Raj remis spielten, gewannen wir überzeugend mit 3-1 und waren weiterhin im Rennen. Unser nächster Gegner hieß Webster C, also die dritte Mannschaft von Webster.

UMBC vs. Webster C

Und ob man es glaubt oder nicht, selbst die dritte Mannschaft hat noch einen GM an Brett 1 (Webster B spielt auch mit 4 GMs). Ich spielte gegen Andre Diamant (Elo 2468) und konnte aus der Eröffnung leider nichts rausholen. Er bot mir dann auch remis an, aber ich dachte mir, komm, spielen wir noch ne Weile. Das Endspiel war langweilig und immer ziemlich remislich, aber ich spielte einfach weiter und irgendwann...

Huschenbeth - Diamant Pan-American

Weiß am Zug

Die Stellung sieht harmlos aus und wäre Schwarz am Zug, wäre seine Stellung sogar leicht angenehmer. Aber ich bin dran, spiele 38.b5! und der schwarze Turm ist eingesperrt. Die Partie dauerte auch nicht mehr lange: 38...f5 39.Ta1 fxe4 40.fxe4 Sc5 41.Kb4 (droht Ka5 mit Gewinn des Turms) Kd7 42.Lg4+ Kc7 43.Ta8 1-0

Alle anderen Partien endeten remis und so gewannen wir dieses Match mit 2,5-1,5. Vor der letzten Runde sah es wie folgt aus: Mit einem Sieg wären wir sicher qualifiziert und mit einem 2-2 ziemlich wahrscheinlich. Allerdings hatten wir ein weiteres starkes Team vor der Brust: University of Texas, Dallas. UTD und UMBC sind quasi die Urväter des Collegeschachs und haben sich immer (!) für den President's Cup qualfiziert. Aber dieses Jahr konnte es im wahrscheinlichsten Fall nur einen geben, der weiterkommt. Wer sich vielleicht noch vage an meinen Bericht vom letzten Jahr erinnert, damals verloren wir in der dritten Runde gegen UTD mit 1-3 und ich verlor gegen Ioan Chirila.

Dieses Mal erwartete ich an Brett 1 Leonid Kritz, aber überraschenderweise setzte er aus und ich spielte gegen meinen alten Teamkameraden Giorgi Margvelashvili, der letztes Jahr noch für uns gespielt hatte, aber jetzt sein Master-Studium in Dallas angefangen hat. Giorgi war sichtlich in keiner guten Verfassung, hustete stark und schlief einmal fast ein. Er übersah dann einen recht einfachen taktischen Trick, mit dem ich einen Bauern gewann. Danach fiel seine Stellung in sich zusammen und wir lagen mit 1-0 in Führung. Levan remisierte gegen Valentin Iotov, aber Nazi verlor gegen Conrad Holt. Es hing also alles an unserem Brett 2, es hing alles an Raj. Und der strapazierte unsere Nerven ganz schön, als er mit seinem König in die Brettmitte spazierte:

Aber Raj hatte alles richtig berechnet, wich sogar einem Dauerschach aus und gewann die Partie letztendlich.

Damit gewannen wir das Match mit 2,5-1,5 und erreichten den zweiten Platz! Die anderen Teams, die sich für den President's Cup qualfizierten, sind Webster University (gewannen alle Matches), Texas Tech University und University of Illinois. Den Tabellenstand kann man hier sehen.

Das Team mit unserem Manager Joel DeWyer, dem ich die Bilder auf der Seite zu verdanken habe (Sabina musste schon ein wenig früher abreisen). Joel hat auch selber Berichte auf seinem Blog geschrieben, definitiv lesenswert ;) (aber in Englisch)