Wien - Gibraltar - Berlin (2)

Direkt nach dem Gibraltar-Turnier standen zwei Bundesligarunden im kalten Berlin an. Ich hatte meine Flüge so gebucht, dass ich am Freitag Abend wieder in Hamburg landen würde. Gemäß meinem Masterplan wollte ich dann am Samstag morgen nach Berlin mit dem Zug fahren und rechtzeitig um 14 Uhr am Brett sein. Leider hatte da die Kältewelle, die während meiner Abwesenheit über Europa hereingebrochen war, noch ein Wörtchen mitzureden. Denn schon in meinem Abflughafen Malaga hatte der Flug zwei Stunden Verspätung. Trotzdem hätte alles noch gepasst, doch völlig entsetzt musste ich in Amsterdam feststellen „Flight to Hamburg is cancelled“. Der Teufel auf meiner rechten Schulter hatte auch schon eine Erklärung parat: Die gerechte Strafe für meine ernüchternden Leistungen in Gibraltar.

Leider wurde nicht nur mein Flug gestrichen, sondern auch Dutzende andere. Was im Klartext bedeutete, dass sich schnell eine 5-Kilometer-Schlange formierte, die sich schlängelnd um Gepäckbänder vor dem Schalter der Fluggesellschaft KLM drängte. Ich überlegte kurz mich anzustellen, entschied mich dann aber dagegen. Stattdessen versuchte ich einen Schlafplatz in Amsterdam aufzutreiben und wurde alsbald auch fündig. Der niederländische IM Robert Ris hätte mich aufgenommen, aber es gab ein Problem. Ich kam an mein Gepäck nicht ran und ohne Gepäck wollte ich den Flughafen definitiv nicht verlassen. Sonst wäre eine Zugfahrt durchaus eine Alternative gewesen. Denn es stand für mich an oberster Stelle, dass ich noch rechtzeitig in Berlin eintreffe und meinem Team im Abstiegskampf helfe. Ich entschied mich also letztlich auf dem Flughafen zu übernachten und am nächsten Morgen den nächstbesten Flug nach Berlin zu nehmen. Um 5 Uhr begann dann der direkte Kampf um die Flugtickets.

Und wenn ich sage Kampf, meine ich das auch. Menschen werden für gewöhnlich nicht fröhlicher, wenn sie wenig schlafen. Vielleicht war das der Grund, dass es beim Gerangel um Tickets (wie man sie von Behördenautomaten kennt) fast zu einer Schlägerei kam. Ich konnte noch eins ergattern, aber danach wurde der Automat abgeschaltet. Vermutlich hätte es sonst wirklich bald Verletzte gegeben. Wie dem auch sei, kurz darauf öffnete der Schalter von KLM und die Bodyguards verbrachten erstmal eine halbe Stunde damit, den wütenden Mob ein wenig zurückzudrängen. Letztlich kam es doch noch zu einer gewissen Ordnung und ich war ziemlich zuversichtlich, es noch nach Berlin zu schaffen. Doch dann der Schock am Schalter: Alle Flüge nach Berlin sind voll. Alter Schwede. Also doch nach Hamburg und dann am Abend nach Berlin um wenigstens noch die Sonntagrunde zu spielen. Derweil verlor der HSK mit 2,5-5,5 gegen den SG Trier, einen direkten Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt.

 

Am Sonntag traf ich auf Alexei Shirov, einen gestandenen 2700-Spieler und ehemaliger Weltmeisterschaftskandidat. Ich hatte mehrere Chancen, in der Partie was zählbares zu holen, aber ließ sie liegen und verlor. Seht selbst:

Shirov-Huschenbeth 1.Bundesliga Berlin 2012

Mit zwei Niederlagen an dem Wochenende konnten wir selbstverständlich unsere Lage im Abstiegskampf nicht gerade verbessern. Aber es sind noch sechs Runden zu spielen und meiner Meinung nach sind wir einfach zu stark um abzusteigen