Pan American Co-Champion

Das Team mit Coach Sam Palatnik (zweiter von links)

So darf sich meine Uni UMBC jetzt nennen, nachdem unser Team auf den geteilten ersten Platz mit vier anderen Mannschaften beim Pan American Intercollegiate Chess Championship gelandet ist. Vom 26. bis 30. Dezember spielten 44 College Teams um die ersten vier Qualifikationsplätze, die für das Final Four Turnier im nächsten April berechtigen. Wir spielten auf dem Campus der Princeton Universität, der ein wenig an Hogwarts erinnert. Ah stop, man sagt nicht Princeton sieht aus wie Hogwarts, sondern Hogwarts sieht aus wie Princeton! Da UMBC seit jeher sich immer qualifiziert hat, lag ein gewisser Druck auf uns. Insbesondere, da das Pan American Turnier noch nie so stark besetzt war. Mit der von Susan Polgar unterstützten Webster-Universität waren zwei Teams am Start, die alle samt mit Großmeistern bestückt waren. Team A wies einen Schnitt von über 2600 auf, unter anderem mit dabei fast 2700er Wesley So und der deutsche Nationalspieler Georg Meier.

In Runde 1 ging es gegen das dritte Team der Webster-Universität, was klar schwächer ist als die anderen beiden. Mir gelang ein seltenes Kunststück: Ich ließ meinen Gegner fünf (!) Bauern in Folge wegnehmen und hatte dennoch eine Gewinnstellung.

Huschenbeth - Banawa Pan American

Schwarz am Zug

Hier geht es los: 13...Dxb2 14.Tb1 Dxa2 15.g6 fxg6 16.Ld3 Dxg2 17.Tf1 dxe5 und schwups hatte ich fünf Bauern weniger.

Weiß am Zug

Zum Glück war mir das alles bis zu 17...dxe5 noch bekannt und mit zwei weiteren genauen Zügen hätte ich die Partie hier direkt entscheiden können, nämlich 18.Da4! Ld7 19.Tf2 und Weiß gewinnt die Dame, Dg1+ 20.Kd2 Dg4 21.Sd6+ nebst Dxg4. Stattdessen spielte ich 18.Sf6+ und erwartete nach Sxf6+ 19.Lxf6 die baldige Aufgabe, da ich nämlich 19...Le7! völlig übersehen hatte. Zum Glück fand ich 20.Tb2! und nach 20...Dxf1+ 21.Lxf1 Lxf6 22.Dd6! steht Weiß klar besser.

Wir gewannen das Match mit 4-0. Insgesamt recht witzig war, dass wir im ganzen Turnier eigentlich nur zwei richtige Matches spielten, nämlich in der dritten Runde gegen die University of Texas, Dallas (UTD) und in der letzten Runde gegen Texas Tech. Die anderen vier Runden spielten wir gegen klar eloschwächere Teams und gewannen jeweils zweimal 3,5-0,5 und 4-0. Das Match gegen UTD verloren wir recht sang -und klanglos mit 1-3. Ich gab meinen einzigen Punkt ab im Turnier gegen GM Ioan Christian Chirila; ein Remis war zwischendurch drin, aber mehr auch nicht.

Brett 1 und 2

Es sollte also alles in der sechsten Runde entschieden werden. Mit einem Sieg gegen Texas Tech würden wir uns sicher qualifizieren, mit einem Unentschieden vielleicht. Ich sollte gegen den stärksten Spieler des Teams spielen, GM Ehlsan Moradiabadi. Der Grund dafür, dass der Iraner an Brett 2 aufgestellt wurde und nicht an 1, ist folgender: Im Webster B-Team spielte der Israeli Anatoly Bykhovsky und um einen potentiellen Aufeinandertreffen auszuweichen, wurde Moradiabadi von vornherein an 2 aufgestellt. Allerdings haben wir mit Sasha Kaplan auch einen Israeli in unserem Team und es gab manche, die erwarteten, wir würden ihn an Brett 2 spielen lassen, um einen kampflosen Punkt zu ergattern. Aber natürlich spielen wir nicht mit solchen schmutzigen Tricks.

Es sollte ein sehr hart umkämpftes Match werden. Nazi gewann an Brett 4 mit kraftvollem Spiel, während Sasha aus taktischen Komplikationen im Mittelspiel nicht glücklich herauskam und wenig später verlor. Ich erwischte einen guten Tag und spielte meine beste Partie des Turniers:

Es hing also alles an der letzten Partie, es hing alles an Giorgi. Er musste sich bei knapper Zeit in leicht schlechterer Stellung verteidigen. Bei Remis wären wir geteilter Erster, bei einer Niederlage hätten wir vielleicht gar nichts. Doch nach viereinhalb Stunden war es geschafft, das Remis gesichert und Zeit zum Feiern!

Die Abschlusstabelle sowie viele Partien und auch Bilder finden sich hier.

Ich werde jetzt meine Semesterferien in Hamburg genießen :) Bis bald!