Tal-Memorial (1) (Deutsch)


Carlsen gewinnt den vierten Schachoscar in Folge und ein Ende dieser Serie ist nicht abzusehen

Im letzten Beitrag kein Schach, was bedeutet, dass es jetzt wieder die volle Ladung gibt! Heute begann in Moskau das prestigeträchtige Tal-Memorial zu Gedenken des achten Weltmeisters Mihail Tal. Mit dabei sind die Hochkaräter Magnus Carlsen, Viswanathan Anand und Vladimir Kramnik und komplettiert wird das Feld mit den üblichen Verdächtigen. Bis auf einen, Dmitri Andreikin, dem eloschwächsten in der Teilnehmerliste. Dieser hat aber auch schon u.a. bei seinem Sieg in der russischen Meisterschaft 2012 gezeigt, dass er mit denen ganz oben mithalten kann. Nichtsdestotrotz werden wohl die meisten versuchen, gerade gegen ihn zu punkten.

Die erste Runde brachte gleich ein paar spannende Partien. Eine davon bot sich direkt zur Analyse an:

Die Stotterer am Anfang des Videos kommen übrigens von meiner Aufregung endlich mal wieder ein Video aufzunehmen ;)

Nun zu den anderen Partien: Carlsen schaffte es mal wieder in seiner unnachahmlichen Art, ein ausgeglichenes Endspiel zum Sieg zu führen. Aber diesmal nicht gegen irgendwen, sondern gegen Vladimir Kramnik, der als Endspielspezialist bekannt ist. Folgende Stellung entstand nach dem 28. Zug:

Carlsen - Kramnik Tal-Memorial

Weiß am Zug

Mit 29.Lb3! geht Weiß geschickt dem drohenden Turmtausch (Tc8) aus dem Weg und hält auf diesem Weg so viel Material und Spannung in der Stellung wie möglich. Trotz reduziertem Material (lediglich drei Bauern auf jeder Seite) hat Schwarz Schwierigkeiten, weil seine Bauern allesamt schwach sind, während die weiße Bauernstruktur vollkommen intakt ist. Wie es seine Art ist, spielt Carlsen geduldig weiter und versucht seine Stellung schrittweise zu verstärken, immer lauernd auf einen Fehler des Gegners. Dieser kam dann schließlich:

Schwarz am Zug

Wie unschwer zu erkennen, ist die Stellung von Schwarz schwieriger geworden. Er hat einen Bauern weniger, aber der starke Bauer auf d3 gibt ihm nach wie vor gute Remischancen. Kramnik entschied sich nun mit 42...h4+ seinen schwachen Bauern abzutauschen, aber das macht es Weiß zu leicht seine Bauern zu mobilisieren und die Stellung ist dann für ihn gewonnen. Notwendig war 42...Ta1 43.Lf3 Ta4!, was 44.h4 erzwingt, denn sonst spielt es Schwarz selbst. Nach 44...Kf7 ist es nicht so einfach für Weiß Fortschritte zu machen, aber nichtsdestotrotz kann er noch sehr lange was probieren und es ist sicherlich keine Wunschstellung gegen Carlsen.

Auch eine starke Vorstellung lieferte Fabiano Caruana ab, der mit den schwarzen Steinen gegen Weltmeister Anand gewann. Die restlichen Partien endeten remis. Die Turnierseite ist leider auf russisch, deshalb würde ich für Infos über das Turnier und Fotos an chessbase verweisen.

Ich habe im Augenblick relativ viel Zeit, weshalb ich plane, in den nächsten Tagen noch mehr Berichte über das Turnier zu schreiben. Ob die dann in englisch oder deutsch erscheinen, werde ich je nach Lust und Laune entscheiden :)