Deutsche Meisterschaft (5)

Glücklich ist wer vergisst, was nicht mehr zu ändern ist! Ja, wenn das manchmal so einfach wäre... Die letzten Tage hatte ich ja rein gar nichts mehr geschrieben, um mich voll auf die Vorbereitung und die Partien zu konzentrieren. Irgendwie war diese Devise aber nicht die richtige, denn mit 1,5/4 fiel die Punktausbeute in der zweiten Hälfte des Turniers denkbar schlecht aus. Aber alles der Reihe nach. Eigentlich ging es gut los, mit einem Sieg gegen Rainer Buhmann. Die Partie habe ich hier ausführlich besprochen:

Danach kam wohl der eigentliche Knack -und Wendepunkt in dem Turnier für mich. Igor Khenkin, Vorjahressieger, überraschte mich in der Eröffnung und ich musste schon bald wieder (wie gegen Buhmann) einem Nachteil hinterherlaufen. Letztlich schaffte ich es, mich in die Partie zurückzukämpfen, ließ dann aber im Turmendspiel den verhältnismäßig einfachen Remisweg aus. Ich spürte schon am Brett, dass die Kräfte schwanden und ich die Varianten nicht mehr flüssig rechnen konnte. Diese Niederlage warf ich mich doch etwas aus der Bahn.

Huschenbeth-KhenkinSiebrecht-Huschenbeth

In der Runde 8 mit Schwarz gegen Sebastian Siebrecht kam ich komfortabel aus der Eröffnung (Sebastian hatte sich keine Sekunde vorbereitet, weil er arbeiten musste) und landete in einem minimal besseren Endspiel. In knapper werdender Zeit übersah ich dann einen taktischen Trick und geriet in eine Verluststellung. Doch nach dem Zeitnotgemenge stand auf einmal ein Remis auf dem Brett:

Siebrecht - Huschenbeth Deutsche Meisterschaft

Remis: Der weiße König muss den Springer gedeckt halten und kann deshalb den Schachgeboten auf b5 und c7 nicht entkommen.

Vor der letzten Runde hatte ich sogar theoretisch noch Chancen auf den Meistertitel, allerdings auch nur theoretisch. Denn dass Khenkin und Fridman verlören und ich gleichzeitig gewinnen würde, war schon ziemlich unwahrscheinlich. Tatsächlich remisierte Khenkin früh und Fridman gewann letztlich gegen IM Julian Jorczik, was den deutschen Meistertitel 2012 für ihn bedeutete. Herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle, aus meiner Sicht absolut verdient!

In meiner Partie gegen FM Dennis Wagner stand ich wohl nach der Eröffnung ein wenig besser, reizte dann aber mit einem Qualitätsopfer sehr hoch. In beiderseitiger Zeitnot stand ich zwischenzeitlich auf Verlust, aber auch mein Gegner patzte und wir kamen in ein ungefähr ausgeglichenes Endspiel. Nach einem weiteren Fehler von Dennis kam ich sogar in Vorteil und Dennis bot mir remis an. Zu diesem Zeitpunkt wäre ich mit dem Remis Dritter gewesen, allerdings geteilter Dritter. Ich weiß nicht, was ich gedacht habe oder ob ich überhaupt viel gedacht habe. Jedenfalls sah ich meine Stellung als besser bis gewonnen an und spielte weiter. Tatsächlich ist sie auch gewonnen, aber alles andere als einfach. Der Rest ist leicht erzählt, aber deshalb nicht weniger bitter. Ich glaubte zu gewinnen, übersah aber ein Schach und auf einmal war die Stellung völlig verloren. Ich machte noch ein paar Züge und gab dann auf. Mit der Niederlage fiel ich natürlich aus den Medaillenrängen und wurde Siebter.

Natürlich bin ich jetzt ein wenig frustriert, aber wenn man es ganz nüchtern betrachtet, war es trotzdem ein recht gutes Turnier. Wie könnte es auch anders sein, wenn ich bei 0,5 aus den letzten drei Partien immer noch Eloplus mache. Mir ist gegen Ende der Meisterschaft irgendwie die Puste ausgegangen und dann häuften sich leider die Fehler. Sonst kann ich nur Positives über Osterburg vermelden. Für mich haben auch so eigentliche Kleinigkeiten viel ausgemacht, wie z.B. eine Obstplatte im Turnierssaal oder dass jeder Teilnehmer einen Stift erhielt, auf dem sein Name eingraviert war.

Endtabelle, Bilder und alles weitere hier: www.dem-2012.de

Gut, jetzt heißt es ein wenig entspannen, bevor in einer Woche das nächste Turnier startet, nämlich die Europameisterschaft!