Weltmeisterschaft Anand - Gelfand (2)

Gelfand konsterniert, Anand relaxt

Die heiße Phase in der Weltmeisterschaft hat begonnen! Auf beiden Seiten flattern die Nerven und es kommt zu ungewöhnlichen Fehlern auf diesem hohen Niveau. In Runde 7 gelang es Gelfand erstmals, die halbslawische Verteidigungslinie des Weltmeisters zu überwinden. Allerdings half Anand dabei auch kräftig mit, seht selbst:

Damit lag Gelfand 4:3 in Front bei noch fünf zu spielenden Partien. Anand also in der Pflicht, endlich auch mal mehr als einen halben Punkt mit Weiß zu ergattern. Er schaffte es und wie! Ich bin kein Statistiker, aber ich bin mir fast sicher, dass heute die kürzeste Gewinnpartie der Weltmeisterschaftsgeschichte gespielt wurde. Wie kam es dazu? Nach 14 Zügen stand folgende Stellung auf dem Brett:

 

Anand - Gelfand Weltmeisterschaft (8)

Nach einer kurzen forcierten Zugabfolge ist Schwarz am Zug und muss offensichtlich auf den Angriff seines Springers auf h5 reagieren. Der logische Zug wäre 14...Sf6 mit einer ungefähr ausgeglichenen Stellung. Aber Gelfand verfiel auf 14...Df6?? und übersah wohl, dass nach 15.gxh5 Dxf3+ 16.Kc2 Dxh1 17.Df2 seine Dame kein Fluchtfeld mehr hat.

Es droht jeder Läuferabzug (bis auf Lg2) mit Damengewinn. Vielleicht noch geschockt von seinem Einsteller gab Gelfand hier auf. Aber mit 17...Sc6 hätte er noch kämpfen können. Weiß muss schlagen (Lh3?? Sd4+ nebst Df3) und nach 18...Dxc6 19.Ld3 steht Weiß zwar klar besser, aber bis zum Sieg ist es noch ein wenig hin.

Beim Stand von 4:4 sind jetzt noch vier Partien zu spielen. Psychologisch gesehen ist Anand jetzt wieder vorne. Der direkte Gegenschlag wird ihm Auftrieb geben, während Gelfands Selbstbewusstsein nach diesem simplen Einsteller sicherlich ein wenig angekratzt ist. Gut für ihn, dass morgen erstmal wieder Ruhetag ist. Am Mittwoch wird sich dann zeigen, ob Anand mit einer Verbesserung in der Halbslawisch-Eröffnung aufwartet oder vielleicht mal zu einer anderen (spannenderen) Eröffnung greift.