St.Pauli-Open Abschlussbericht

Die Preisträger

"Auf seiner Homepage berichtet Niclas Huschenbeth über das Turnier und analysiert interessante und kritische Momente eigener und manchmal auch fremder Partien. Von seinem Turniersieg scheint er dort allerdings noch nichts zu wissen." Chessbase

Ja, zugegeben, ich hab mir ein wenig Zeit gelassen mit dem Abschlussbericht. Genau zwei Jahre ist es her, dass ich mein letztes Turnier gewonnen habe und das war... genau St.Pauli. Während ich aber 2010 mit zwei Punkten Vorsprung gewann, musste ich diesmal auf die Buchholzgöttin hoffen. Und die stand auf meiner Seite. Nach Buchholzpunkten mit Cuenca Jimenez gleich entschied dann die zweite Feinwertung, nämlich Buchholzsumme, also alle Buchholzpunkte meiner Gegner zusammen. Pure Glückssache natürlich. Aber da ich schon in Norderstedt in der zweiten Feinwertung unterlegen war, ist es halbwegs fair, dass ich diesmal die eine Nasenlänge vorne war.

Was passierte in den Runden acht und neun? Ich ließ das Turnier mit zwei Remises austrudeln, die allerdings beide hart umkämpft waren.

Die Nr. 1 gegen die Nr. 2

Gegen Ehsan Ghaem Maghami hatte ich erstaunlicherweise recht wenig Probleme mit Schwarz und konnte es mir im 37. Zug sogar erlauben, ein Remisangebot abzulehnen. Der Iraner verteidigte sich allerdings umsichtig und so war Remis das logische Ergebnis.

Vor der Schlussrunde war die Ausgangslage nun so: Ich hatte einen halben Punkt Vorsprung vor Kopylov und Cuenca Jimenez. Da ich gegen IM Michael Kopylov spielte, würde mir ein Remis reichen, wenn Cuenca Jimenez mit Schwarz nicht gegen Vladimir Okhotnik gewinnt. Tatsächlich bot mir Kopylov im elften Zug Remis an, aber meine Stellung war risikolos weiterspielbar. Ich wartete also einfach ab, was auf dem Nebenbrett geschehen würde. Dort setzte Okhotnik durch schnelles Spielen seinen Gegner unter Druck. Leider litt darunter ein wenig seine Stellung. Und dann waren quasi im gleichen Moment auf den Brettern 1 und 2 entscheidende Stellungen. Brett 2 sah so aus:

Okhotnik - Cuenca Jimenez

Weiß am Zug

Ich schaute kurz aufs Nebenbrett und dachte "okay Sxb4 verliert wegen Lc3, dann vielleicht so etwas wie Lc5". Ich glaubte mir fallen die Augen aus, als Okhotnik mit 45 Minuten auf der Uhr ca. 20 Sekunden nachdachte und Sxb4 spielte. Und das ist nicht übertrieben. Also konzentrierte ich mich wieder voll auf meine eigene Stellung, da sah es zu diesem Moment so aus:

Huschenbeth - Kopylov

Weiß am Zug

Ich hätte mir viel Zittern ersparen können, hätte ich in dieser Stellung eine Variante richtig zu Ende gerechnet hätte. Stark gewesen wäre 23.dxc6 Lxh3 24.c7!! Dxc7 25.Sd5. So weit hatte ich es auch gesehen, nur Angst vor dem Damenopfer 25...Sbxd5 26.Txc7 Sxc7 gehabt. Das Damenopfer ist auch relativ stark, aber Weiß kann die Dame einfach gleich wieder zurückgeben:

27.Lxf4! Txd1 28.Txd1 Nun hängt der Springer c7 und der Läufer h3, deshalb bleibt nur 28...Se6 29.Le3 Lf5 und nun hat Weiß nach 30.Lxa7 einfach einen soliden Mehrbauern.

Ich spielte in der Stellung oben 23.Lf3, kam später in ein Endspiel mit Bauer mehr, aber mein Gegner hatte zu starke Kompensation in Form des Läuferpaars und es wurde Remis. Danach begann das große Zittern, aber wie bereits erwähnt, mit dem glücklichen Ende für mich.

Cuenca Jimenez und ich

So, es ist wieder die Zeit der Dank- und Lobsagungen! Das Turnier werde ich nicht nur wegen meines Sieges in bester Erinnerung behalten. Der Spielsaal bietete viel Platz, war klimatisiert und wenn man mochte, konnte man direkt mal an die frische Luft und einen Blick auf das Stadion werfen. Hier gab es absolut nix zu meckern. Dann geht ein großer Dank an das gesamte Organisatorteam, das auf eine lockere, eben st.paulianische Art und Weise das Turnier gemeistert hat. Besonders gedankt sei dabei Andreas Albers, der mich mit sämtlichen Fotos, die ihr auf meiner Seite seht, beliefert hat. Eigentlich sollte das Turnier eine Pflichtveranstaltung sein für jeden Schachspieler, der im Norden lebt.

Ich jedenfalls komme gerne wieder, wenn ich kann und sage das, obwohl ich HSV-Fan bin :) (ob man mich jetzt nochmal mitspielen lässt?!)

mit Organisator Hajo Kehr

Noch eine kleine Korrektur zum Schluss: Benedict Krause ist nicht 17, sondern 15, mein Fehler.