U20 Weltmeisterschaft (2)

Akropolis

Wie das so ist, wenn man eine Website oder einen Blog betreibt, muss man leider manchmal auch berichten, wenn es nicht so gut läuft. Bisher war das zum Glück noch nicht so oft der Fall, aber irgendwann musste es ja mal kommen. Jedenfalls habe ich die letzten beiden Partien verloren und in der deutschen Delegation gibt es nun abergläubische Spekulationen, was wohl die Ursachen sein mögen. Ich soll wieder anfangen mit Treppensteigen als Morgensport (das war vor der zweiten Runde), keinesfalls weitere Berichte schreiben und generell alles anders machen als die letzten beiden Tage.

Für mich sind die Ursachen recht eindeutig: Durchschnittliche Züge bei hohem Zeitverbrauch sind eine ziemlich tödliche Mischung. Letzteres wurde natürlich noch zusätzlich befeuert, indem ich in beiden Partien in die gegnerische Vorbereitung lief. In der Partie gegen Baron wurden die Weichen direkt in der Eröffnung gestellt:

Baron – Huschenbeth U20 Weltmeisterschaft

 

Schwarz am Zug

Hier investierte ich ziemlich viel Zeit und obwohl einen das Schach auf a5 anlacht, hatte ich insgeheim das Gefühl, dass es wohl nicht das Richtige ist. Aber irgendwann spielte ich es trotzdem, da ich nichts Besseres sah. Stärker war aber 10...Ld7 und erst nach 11.Ld3 (f3 scheitert natürlich an Dh4+) Da5+. Nach den weiteren Zügen 12.Ke2 La4 13.Dc1 f5! steht Schwarz bereits besser. Nach dem Partiezug 10...Da5+ 11.Ke2 ist die Drohung f3 ziemlich lästig, weshalb ich 11...f5 spielte. Aber nach 12.f3 Sg5 13.Kf2 hat Weiß einfach die bequemere Stellung.

Das war Runde 3 und in der nächsten sollte es gegen den Belgier Stef Soors (Elo 2364) gehen, mit dem ich schon vor zwei Jahren bei der U20 WM in Polen ziemliche Probleme hatte. Wie damals kam ein Caro-Kann aufs Brett und wie damals sah ich ziemlich alt aus. Einziger Unterschied zu 2010 aber, dass ich diesmal kein Remis schaffte. Auch hier wurden die Weichen früh gestellt, ein strategischer Fehler machte mir das Leben schwer:

Huschenbeth – Soors U20 Weltmeisterschaft

Weiß am Zug

Hier spielte ich 14.Se1 und dachte alles ist gut. Aber nach 14...Lxe2 15.Dxe2 b6! wurde mir klar, dass irgendwas schief gelaufen war. Nach den weiteren Zügen 16.cxb6 axb6 17.a6 c5 erhält Schwarz ein sehr schönes Zentrum und hat keine Mühe den a-Bauern aufzuhalten. Ich verlor ohne Chance. Anders hätte die Sache nach 14.h3! ausgesehen. Da Schwarz gerade seinen Läufer von g6 nach h5 gezogen hat, ist der einzig sinnvolle Zug 14...Lxf3. Nach 15.Lxf3 plante mein Gegner nun 15...f6 und das hatte ich ein wenig gefürchtet. Aber tatsächlich steht Weiß sehr bequem, z.B. 16.exf6 Lxf6 17.Lg4! und das Fehlen des weißfeldrigen Läufers wird sich bemerkbar machen.

Zwei ärgerliche, aber man muss auch sagen, vollkommen verdiente Niederlagen. Jetzt heißt es sich an eigenem Schopf aus dem Sumpf ziehen und heute gegen den Norweger Benjamin Arvalo (Elo 2300) punkten!